„Pflegezeit ist Lebenszeit“
Im Juni fand unter der Federführung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Veranstaltung zum Thema statt. Frau Ministerin Dr. Kristina Schröder eröffnete diese Veranstaltung. Sie hob nochmals die Bedeutung der Pflege in allen Lebensbereichen hervor. „Pflege dürfen wir nicht unter ökonomischen Gesichtspunkten diskutieren“, so die Ministerin und setzte fort “Gute Pflege ist mehr! Kommunikation – Respekt – Menschlichkeit“ Die Charta trägt dem Rechnung. Es war ein interessantes Podium mit vielen Beteiligten, die sich konkret zur Pflegesituation äußerten.
So referierten bzw. diskutierten Liz Mohn, Präsidentin der Deutschen Schlaganfall Hilfe, Dr. Marianne Koch, Präsidentin der Deutschen Schmerzliga, Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg , Präsidentin der BAG der Freien Wohlfahrtspflege sowie Lieselotte Vogel, Buchautorin. Gemeinsamkeiten und gegensätzliche Meinungen und Erfahrungen wurden dargelegt. Einerseits die Erfahrungen aus der praxisnahen Wirklichkeit, andererseits aus eigenen Erfahrungen die eben nur eine Momentaufnahme darstellten. Wir kennen die Situationen, wo besondere Einzelschicksale in hervorragender Weise dargestellt werden, die aber keineswegs die breite Wirklichkeit widerspiegeln. Wir wissen aber auch, dass dort wo eine finanzielle Absicherung in der Pflege vorhanden ist, diese keineswegs mit denen zu vergleichen ist, wo eben keine finanziellen Ressourcen genutzt werden können.
Frau Dr. Koch wies in ihren Ausführungen besonders darauf hin. Sie betonte ausdrücklich, dass die reale, messbare Wirklichkeit sich anders darstellt, als oftmals medienwirksam dargestellt „Einzelbeispiele“.
"Es ist festzustellen, dass Krankheit, Heimfähigkeit verdrängt wird, es ist Hilflosigkeit - die macht sich bemerkbar."
Die Charta ist Appell, kein Gesetz – kein muss. Nur mit gutem Willen ist die Pflege nicht zu bewerkstelligen. Da sind zu nennen u.a. Pflegeschlüssel, Bezahlung der Pflegekräfte. Die Teilnahme an der Gemeinschaft ist etwas anderes. Begleitung - wer ist da? Jeder der will, kann ein Altenpflegeheim betreiben. Qualität ist eben nicht allein von den Kosten abhängig. Der Ansatz der Charta weist darauf hin wie es sein muss - wie es sein soll, gibt Anhalt für Wohnbetreuungsgesetze und Heimgesetze, weist auf Vertrauen und Rechte hin. Sie weist auf Augenhöhe gestaltenden Prozess hin.
Frau Vogel sprach von einem unhaltbaren Zustand und kritisiert dass Pflegeberufe ganz unten rangieren. Sie sprach von ihren Beweggründen mit ihren Ehemann in eine Einrichtung zu ziehen und so Fr. Vogel:“Wir haben es nicht bereut!“ Es wurde herausgearbeitet, dass Angehörige die Fachpflege nicht ersetzen können. Sie können jedoch eine gute Hilfe und Unterstützung bei der Versorgung und Betreuung sein.
Fazit
Pflege muss nicht schlecht sein und sie darf nicht schlecht sein. Wie bei allen Berufen im Alltag, sind die Klarheit der Gedanken und das Erkennen der Verantwortung für einen schwächeren und hilfebedürftigen Menschen unerlässlich. Seien wir uns alle bewusst – auch wir werden älter.
Lassen Sie mich zum Schluss noch einen Gedanken äußern. Auch wenn es heute um die ältere Generation ging, dürfen wir die Gedanken an unsere kranken Menschen nicht außer Acht lassen. Wir wissen, dass es genug Menschen mit erworbenen Hirnschäden gibt, unabhängig vom Geschlecht und Alter. Uns ist klar, dass es auch um diese hilfe- und pflegebedürftigen Menschen geht. Sie haben es auch verdient, dass wir über ihre Bedarfe reden und dabei auch die pflegenden Angehörigen nicht vergessen. Auch für sie gilt: Pflegezeit ist eben Lebenszeit!
Lothar Ludwig

