Ethik

Hirntod und Organtransplantation

Sonderduck "dialog"
 

Aus einer Leiche geboren

MAx Siegel ist das Kind einer hirntoten Mutter.
Seine Existenz verdankt er der Entschlossenheit von Ärzten,
die vor 20 Jahren noch nicht ahnten, dass sie ein ethisches Minenfeld betreten.
 
Wie sehen die Akteure von damals ihr Handeln heute?

Der Artikel ist erschienen im DER SPIEGEL Nr. 25.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79051538.html

 

„Leben dürfen oder Sterben müssen?“

Erst in Berlin, dann in Gera und auch in Magdeburg. Drei Menschen wurden auf Beschluss der Gerichtsbarkeit vom Leben auf den langen Weg zum Tod geschickt. Der lange Weg des Verhungerns und Verdurstens. Jeweils ein Leben wurde ausgelöscht, weil der „mutmaßliche“ Wunsch des zum Tode Verurteilten die Entscheidung maßgeblich beeinflusste.

Wie kann es in einer humanen Gesellschaft dazu kommen? Warum entscheiden sich Richter für den Tod? Welche Beweggründe mag es dafür geben und vor allem - was hat eigentlich der Wille des Sterbenden für eine Bedeutung? Warum gibt es für Menschen im Wachkoma überhaupt die Entscheidung für den Tod?

Durch verschiedene Ursachen kommt es zu schweren und schwersten Schädigungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Der Grad der Schädigung des Gehirns ist ausschlaggebend, ob ein Mensch in den Zustand des Wachkomas (Apallisches Syndrom) kommt. So kann durch eine Schädel-Hirn-Verletzung, eine Sauerstoff-Unterversorgung, ein Schlaganfall, aber auch ein Herzinfarkt ausschlaggebend sein, um in der Folge der Erkrankung in diesen Zustand zu geraten. Wachkoma ist ein Zustand zwischen tiefem Schlaf (Koma) und des Aufwachens. Prof. Dr. Franz Gerstenbrand, führender Neurologe aus Österreich, formulierte über das Wachkoma folgendes:„Prinzipiell handelt es sich beim apallischen Syndrom um einen Funktionsausfall des menschlichen Großhirns und nicht um einen Struktur-Schaden der Großhirnrinde und deren Schaltzentrale

Menschen im Wachkoma bedürfen in ihrem Zustand rund um die Uhr die Hilfe und Unterstützung von Pflegenden, von Therapeuten, aber vor allem von ihren Angehörigen. Sie sind in ihrem Zustand ohne fremde Hilfe nicht lebensfähig. Die Zahl der Menschen mit Schädigungen des ZNS nimmt zu. Dabei auch diejenigen, die auf unsere Hilfe und Unterstützung angewiesen sind.Familien, ggf. der vom Amtsgericht bestellte Betreuer, haben demzufolge die volle Verantwortung in allen Entscheidungen für den Menschen im Wachkoma zu treffen. Nun ist es nicht gerade so, dass der Mensch seine Krankheit plant und dafür Vorsorge trifft. Das ist dann sehr persönlich für die Familien spürbar.

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